Wolfgang Schaller am 7.Juli im Rahmen einer Gala als Indendant verabschiedet

"Künftig bin ich Zuschauer, einer von Ihnen!" Mit diesen Worten kam Wolfgang Schaller zum Beginn seiner Abschiedsgala die Show-treppe aus dem Musical "Cabaret“ herunter und begrüßte mit „Willkommen Bienvenue“ selbst auf musikalische Art das Publikum im vollbesetzten Haus, darunter alles was in der Dresdner Kulturszene Tang und Namen hat. Schon der erste Applaus für ihn muss eine ebenso erfrischende wie wohlige Sommer-Dusche für den sich in den Ruhestand verabschiedenden

Wolfgang Schaller gewesen sein. In 16 Ausschnitte aus insgesamt 75 Produktion der Ära Schaller versprühten Orchester, Solisten, Ballett und Chor zwei Stunden lang Musik, Witz, Charme und Parodie auf der Bühne und im Publikum. Darunter waren auch der Kinder- und der Musical-Jugendchor, die beide Zeugnis ablegten für die musikalische Förderung das musikalischen Nachwuchs und damit der kommenden Zuschauer-generation, die Wolfgang Schaller besonders am Herzen lag.

Axel Köhler bedauerte und beklagte auf sehr rührende Weise das Scheiden Wolfgang Schallers nach der Melodie von Professor Higgins berühmten Lied aus My fair Lady mit „Ich gewöhnt an sein Gesicht!“, darin auch eingeschlossen Schallers Gattin Rita, die nun ihren Mann nicht mehr weiterhin Tag für Tag mit der Staatsoperette teilen muss.
Ohne dem ausgeprägten Beharrungsvermögen Wolfgang Schallers, seiner immer wieder bewiesenen Hartnäckigkeit und seinem unentwegten „Am-Ball-bleiben“ wäre die Staatsoperette

Dresden heute wohl Geschichte. Nach dem Schließungsbeschluss des Stadtrates im Jahr 2003 mobilisierte er zusammen mit dem neugegründeten Förderforum alle nur denkbar möglichen Kräfte, um diese - seiner Meinung nach fatale - Fehlentscheidung zu revidieren. Schaller holte die Staatsoperette Dresden ins Zentrum der Stadt, er wagte Uraufführungen und pflegte gleichzeitig das bekannte Repertoire, als volksnahes Theater mit Biss und Pfiff, das sowohl das treue Stammpublikum als auch eine neue Zuschauer-Generation bedienen konnte.

Nur seinem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass das großartige Ensemble des einzigen Operettentheaters Deutschlands auf weiterhin den Kulturbetrieb der Landeshauptstadt mit heiterem Musiktheater auf höchst professionelle Weise bereichern darf. Und das nun sogar unter ebenso großartigen Bedingungen, die ihm der Umzug in das neue Haus im Herzen der Kulturstadt beschert hat. Schaller jedenfalls ist seinen Worten nach mit der räumlichen und technischen Ausstattung und den idealen Bedingungen des Hauses bestens zufrieden. Schaller versicherte, er sei nicht Intendant geworden sei, um Häuser zu bauen. Dennoch durfte der mühselige und immer wieder mit neuen Hindernissen gepflasterte Weg von der Peripherie in Leuben hinein ins Zentrum und damit in den kulturellen Nabel bei der Würdigung von Schallers Leistung als Intendant im Mittelpunkt. In den Phasen, wo es manchmal mehr zurück als vorwärts ging, hat er unbeirrt sein Ziel verfolgt, wenn vorne an der Rathaus-Tür rausflog, lief hinten geradewegs wieder rein. Er hat sich nie den Mut nehmen lassen und wenn er gezweifelt hat, hat er sich's wohl nicht anmerken lassen.

Nach Schaller Worten waren nach dreizehn Jahre Kampf für das neue Haus alle wie befreit - endlich eine größere Bühne und eine viel bessere technische Ausstattung, - aber auch akustisch gesehen: Vorher sei der Klang im Leubener Saal schrecklich gewesen, zwei Drittel der Musiker im Orchestergraben saßen unter einer Betondecke und konnten ihre Kollegen gar nicht hören, geschweige denn die Sänger auf der Bühne. Jetzt lebten Sänger, Chor und Orchester in dieser Akustik richtig auf, insofern zahlten sie die Investition der Stadt mit "klingender Münze" zurück.

Dabei durfte natürlich auch nicht die von Wolfgang Schaller initiierte „Eigenblutspende“ der gesamten Belegschaft, der noch bis 2021 fortgeführt wird. Mit ihrem Lohnverzicht in Höhe von 12 Millionen Euro, der rund ein Viertel der Kosten für die neue Spielstätte eingebracht hat. So legten sie nicht nur den Grundstein für die Finanzierung, sondern schufen auch das politische Druckmittel für den Bau der neuen Spielstätte.  Erinnert wurde aber in diesem Zusammenhang auch an die 107.000 Unterschriften einer Petition an die Stadt Dresden, die ebenso dazu beitrugen, den Schließungsbeschluss letzten Endes zu revidieren.

Er durfte bereits in jungen Jahren die Eröffnung der Semperoper 1985 als Chefdisponent der Sächsischen Staatsoper mitgestalten und auch 1989 die Öffnung hin zum internationalen Opernmarkt miterleben. Wenn es auch an diesem Abend auch nicht den Anschein hatte gehörte es nie zu Schallers Ambitionen, selbst im Rampenlicht stehen, sein Glück sah er vielmehr darin, anderen ins Rampenlicht zu verhelfen. Seine wahre Leistung war es, großartige, vor allem junge Künstler dabei zu unterstützen, Erfolge zu erringen, viele davon holte er bei seinen zahllosen Scaut-Aktivitäten an die Staatsoperette, als sie noch völlig unbekannt waren.

Zu Schallers Ambitionen gehörte es aber auch verloren gegangenes wieder zu gewinnen Während sich in den USA Musical entwickelte  wurden in der Nazi-Zeit jüdische Künstler systematisch benachteiligt, vertrieben oder umgebracht. Damit entwickelte sich die Operette zurück. Um zu zeigen welchen Schaden die Gattung genommen hatte und was die Nazis vernichtet haben setze Schaller Impulse und  hiefte beispielsweise  ein Musical wie Gerswins "Pardon My English" auf den Spielplan der Staatsoperette, auch weil es putzigerweise in Dresden spielt.

Verschiedene Laudatoren fassten die Leistung Wolfgang Schallers in die passenden Worte, die Kulturbürgermeister Annekatrin Klepsch ließ noch einmal die beruflichen und kulturellen Stationen Wolfgang Schallers aufleben und der Vorsitzende des Förderforums Professor Werner Patzelt würdigte Schallers „herausragende kulturpolitische Leistung“ nicht nur als Retter der Staatsoperette. Verwaltungsdirektorin Sieglinde Schlüter und Personalratsvorsitzender Gerd Wiemer verabschiedeten den scheidenden Intendanten im Namen der gesamten Belegschaft auf besonders herzliche Art und ernannten Wolfgang Schaller zum Ehrenmitglied der Staatsoperette. Der in Erfurt geborene Architekt des neuen Hauses Professor Jörg Friedrich, seinem Bekunden nach selbst der Musik sehr zugetan, erinnerte noch einmal an den gemeinsamen, oft von lebhafter Diskussion geprägten Weg mit Wolfgang Schaller hn zur neuen Heimstätte der Staatsoperette.

Bei Wolfgang Schaller, dessen großartiges sechzehnjähriges Wirken in einem beeindruckenden reich illustrierten Buch mit dem Titel „Danke, Dresden“ zusammengefasst wurde, wird nach seinem Abschied von der Staatsoperette keine Langeweile aufkommen., er wird sich vermehrt in der Sächsischen Akademie der Künste engagiere, auch weiterhin im Bereich Kulturmanagement in der International University lehren, er wird sich Zeit nehmen für Literatur, Kammermusik, Reisen – und er wird regelmäßig auf seinem Stuhl als Zuschauer in der Staatsoperette Platz nehmen.

Bis dich zum neuen Leben ein Kuss erweckt ...                                      Johann Strauss »Eine Nacht in Venedig«

 

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Geschafft - Operette endlich im Zentrum

Feierliche Eröffnung der Theaterspielstätte Kraftwerk Mitte für das tjg. theater junge generation (tjg) und die Staatoperette Dresden

Alles neu. Die Staatsoperette Dresden ist angekommen – in ihrer neuen Spielstätte im Herzen Dresdens. Im Rahmen einer feierlichen Eröffung hieß es am 16. Dezember 2016 im Beisein von über 700 geladenen Gästen endlich "Licht an" für die neue Staatsoperette und das Theater der jungen Generation im Kraftwerk Mitte. Oberbürgermeister Dirk Hilbert und der sächsische Innenminister Markus Ulbig lobten das vielfache Engagement der Dresdner für das neue Haus im Zentrum der Stadt. Professor Wolfgang Schneider von der Universität Hildesheim bemühte sogar mehrfach Karl Valentin für die ironische Überlegung, ob nicht analog zur Schulpflicht auch eine Kulturpflicht sinnvoll sei. Für Dresden dürften Gedanken in dieser Richtung vollkommen überflüssig sein, wenn auch nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aktiv am Kulturleben teilnähmen. Damit haben die Künstler und Mitarbeiter der beiden Theater offiziell ihre neue Spielstätten und damit auch die Verantwortung übernommen, dem neuen Haus das Leben einzuhauchen, das sowohl die Dresdner als auch die vielen Touristen erwarten dürfen. Zwei zu Recht stolze Intendanten, Felicitas Loewe und Wolfgang Schaller, steuerten symbolisch zum Abschluss des Festaktes ihre Ingredenzien für viele erfolgreiche Inszenierungen im neuen Haus bei.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert gab unumwunden zu: "Ich bin aufgeregt! Man ist heute schnell versucht, viele Ereignisse als historisch zu betrachten, die morgen längst vergessen sind. Das ist heute Abend anders: Die Eröffnung der Theater im Kraftwerk Mitte ist für die Stadt Dresden ein wahrhaft historischer Augenblick. Wir erleben einen besonderen Moment, der nicht nur in den Chroniken dieser Stadt zu finden sein wird“. 

Das Theater Junge Generation und die Staatsoperette haben ihre alten Domizile verlassen und im Kraftwerk Mitte eine neue Heimat gefunden, 977 Tage nach dem ersten Spatenstich und einer Investition in Höhe von knapp 100 Millionen Euro. Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Dieses Haus ist einzig eine Investition für die Bürgerinnen und Bürger und die Gäste unserer Stadt. Kein Intendant, kein Solist, kein Architekt und auch kein Politiker wird sich rühmen können, dies sei sein Haus. Diese Investition gehört allen Dresdnerinnen und Dresdnern, jeden Alters, jeden Geschlechts und völlig unabhängig ihrer Herkunft. Wir übergeben heute den beiden Intendanten, den Künstlerinnen und Künstlern und sämtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine riesige Verantwortung. In ihren Händen liegt es nun, dieses Haus mit Leben und Liebe zu füllen. Mit den Theatern im Kraftwerk Mitte soll dieser Ort zu einem kulturellen Zentrum der Stadt Dresden werden.“

Am Abend, 19 Uhr folgte der Festakt „Von UNS für Dresden“ mit 700 Ehrengästen - Gästen aus Politik, Wirtschaft, Theater und Baupartnern. Die Moderation übernahm, wie schon bei Grundsteinlegung und dem Richtfest der alte Herr des Puppenensembles „T.J.G“. „Licht An“ war der Prolog mit einer Performance von Jugendlichen der Theaterakademie des tjg, des Marie-Curie-Gymnasiums und der Gymnasien Bürgerwiese und Bühlau. Zum Auftakt wurde die Ouvertüre zu „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár gespielt. Im 1. Akt: „Bauarbeiterglück“ standen viele Bauleute auf der Bühne, Projektleiter, Vertreter der Firma Züblin, die Architekten und auch der Pförtner der Baustelle. Dann folgten die Rede des Oberbürgermeisters und der 2. Akt mit dem „Maschinenballett“. Hier zeigte die Bühnentechnik der SO und ein Ensemblemitglied des tjg was geht. Nach einem Grußwort des Sächsischen Staatsminister des Innern, Markus Ulbig, gab es im 3. Akt „Sämtliche Werke leicht gekürzt“ mit Ensemblemitgliedern der SO und des tjg. Prof. Dr. Wolfgang Schneider vom Institut für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim hielt die Festrede zum Thema „Spie(ge)l der Gesellschaft? Die Darstellenden Künste als kulturpolitisches Kraftwerk“. Im 4. Akt ging es um „Unsere LieblingsdresdnerInnen“ und dann dankten die Intendanten der beiden Kultureinrichtungen Loewe und Schaller im Dialog. Der letzte und 5. Akt hieß „Los geht’s“, alle anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des SO und tjg standen auf der Bühne. Dann wurde gefeiert mit Akteuren der Dresdner Kunst-und Kulturszene im Kraftwerk und auf der Theatergasse. Am nächsten Tag starten beide Häuser mit Premieren in die Spielzeit am neuen Ort.
Neben dem Festakt im Saal gab es ein reichhaltiges Flanierprogramm für weitere 600 Gäste an zehn Standorten im ganzen Haus: verschiedene Dresdner Kultureinrichtungen und Künstler der freien Szene belebten den faszinierenden Abend mit vielfältigen und kunstvollen Gastgeschenken in Form von Theater, Musik, Performance, Lesungen und Schauspiel.

Im modernen Haus auf dem Gelände des Kraftwerks Mitte freut sich das Ensemble nun auf eine spannende Eröffnungsspielzeit. Diese wird mit Operette, Musical und Spieloper.mehr als abwechslungsreich.  Das Ensemble der Staatsoperette Dresden ist Experte für die heiteren und unterhaltenden Seiten des Musiktheaters. Das Haus gehört zu den wenigen Theatern im deutschsprachigen Raum, die sich genau diesen Genres verschrieben haben.Für die Ensemblemitglieder bedeutet das vor allem eines: Sie sind Allroundkünstler. Sänger und Sängerinnen, Chor, Ballett und auch die Mitglieder des Orchesters verfügen über das musikalische und darstellerische Können, um den hohen Anforderungen des abwechslungsreichen Spielplans gerecht zu werden. Sängerinnen, die auch tanzen können oder Tänzerinnen, die singen – an der Staatsoperette Dresden ist das keine Seltenheit.
Zum Repertoire gehören natürlich auch beliebte Operetten-Klassiker wie »Orpheus in der Unterwelt«, »Die Fledermaus« oder »Im Weißen Rössl«. Auch in Sachen Musical verfügt das Haus über eine beachtliche Bandbreite an Inszenierungen. Neben Leonard Bernsteins »Wonderful Town« sind auch neue Musicals wie etwa »Catch Me If You Can» oder »La Cage aux Folles« zu erleben.Die dritte Säule des Repertoires ist die Spieloper. Stücke wie etwa »Die Hochzeit des Figaro« oder »Das Märchen vom Zaren Saltan« sind an der Staatsoperette Dresden zu sehen.

Spender zum ersten Mal auf ihrem Stuhl

Zwei Tage später hatten dann im Rahmen der zweiten Premiere von "Orpheus in der Unterwelt" die 540 Stuhlspender die Gelegenheit, zum ersten Mal von ihrem "eigenen" Stuhl aus eine Aufführung der Staatsoperette zu erleben.  Die vom Förderforum der Staatsoperette Dresden initiierte Aktion „Ihr Name auf einem Stuhl“ unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Oberbürgermeisterin Helma Orosz existiert seit 2009 und ermöglichte bereits die Anschaffung einer modernen variablen Akustik für die Musical-Aufführungen der Staatsoperette.

BEKENNTNIS

Helma Orosz
Oberbürgermeisterin
der Stadt Dresden a.D.

Schirmherrin des Projektes
„Operette im Zentrum“

Musikalisches Volkstheater auf höchstem Niveau
Sie bekennt sich zu dem neuen Haus: „Seit Jahren entstehen bei der Staatsoperette Dresden Inszenierungen auf höchstem Niveau. Mit der Operette im Zentrum hat das Ensemble nun eine Spielstätte erhalten, die dieses Niveau widerspiegelt.“

Im Rückblick auf 69 Jahre Staatsoperette und über zehn Jahre Förderforum zeigt sich das große Engagement der Künstlerinnen und Künstler für ihr Publikum ebenso, wie die Liebe der Dresdnerinnen und Dresdner zu diesem Ensemble. Die Staatsoperette ist seit 69 Jahren mit der Geschichte Dresdens verwurzelt. Als wichtige Kulturinstitution prägt sie das musikalische Schaffen und das vielfältige Konzertleben unserer Stadt und darüber hinaus. Dafür und für die leidenschaftliche Arbeit möchte ich mich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den vielen Förderern sehr herzlich bedanken.

Viele Dresdnerinnen und Dresdner verfolgten die spannende Entwicklung zum Kraftwerk Mitte. Das entstandene Kulturzentrum am Wettiner Platz mit Staatsoperette, Theater Junge Generation, Bühnenwerkstätten und Unternehmen der Kreativwirtschaft stellt eine großartige Chance für Dresden dar. Sie besteht vor allem auch darin, dass an zentraler Stelle in Dresden in einem Kulturbetrieb verschiedene Sparten und Träger zusammenwirken.

Stuhlspende